Neue Rally Obedience Wertungsrichter für den VDH

Ein neuer Hundesportvirus zieht derzeit über Deutschland. Rally Obedience – eine Sportart, die noch vor wenigen Monaten in weiten Teilen Deutschlands unbekannt war, zieht immer mehr Hundesportler in seinen Bann. Sicherlich liegt das an der besonderen Konzeption dieser Sportart:

Es wird ein Parcours aus mehreren Stationen gebaut. Die Stationen bestehen aus Schildern, die dem jeweiligen Team angeben, was zu tun ist und in welche Richtung es weitergeht.

Regelwerk Rally Obedience. Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. Gültig ab 01.01.2014. Vorwort.

Den Schildern entnimmt der Hundeführer, welche Übung auszuführen ist
Den Schildern entnimmt der Hundeführer, welche Übung auszuführen ist

Das Team arbeitet die Stationen in Fußarbeit ab, der Hundeführer darf während der Arbeit mit seinem Teampartner Hund kommunizieren. Im Parcours werden in fünf verschiedenen Leistungsklassen – RO Beginner, RO 1, RO2, RO 3 und Senior – Übungen wie Sitz, Platz, Steh, Richtungsänderungen, 360° Kreise, Slalom um Pylonen, Futterverweigerungen, Hürden-, Bleib- und Abrufübungen gestellt. Die einzelnen Übungen können auch miteinander kombiniert werden.

 

Rally Obedience ist eine Sportart für Hundeführer, die durch traditionelle Angebote nicht erreicht werden. Die Förderung einer positiven Beziehung zwischen Hunden und Hundeführern, basierend auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt, steht dabei im Vordergrund. Aus diesem Grund erlaubt das Regelwerk während der Wettbewerbe nur positive Verstärkung und Belohnung und verbietet jeden Einsatz von körperlichen oder harschen verbalen Korrekturen. (…) Rally Obedience ist eine Sportart für die ganze Familie. Teilnehmen können alle Personen, deren Hunde im Grundgehorsam stehen und verträglich mit Menschen und mit anderen Hunden sind. (…) Hunde mit Behinderungen werden ermuntert, an Rally Obedience teilzunehmen, vorausgesetzt, sie zeigen keine Anzeichen von Schmerzen oder Unwohlsein als Resultat ihrer Behinderung. (…) Auch in der Mobilität eingeschränkte Hundeführer sind aufgefordert, teilzunehmen. Die Benutzung von motorisierten Fahrzeugen und/oder Rollstühlen ist erlaubt.

Regelwerk Rally Obedience. Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. Gültig ab 01.01.2014. Seite 3 ff.

Wird ein Hund im Rally Obedience geführt, ist eine positive Teambindung besonders wichtig
Wird ein Hund im Rally Obedience geführt, ist eine positive Teambindung besonders wichtig

In einer Zeit, in der in allen Lebensbereichen inklusives Denken eingefordert wird, die Umsetzung jedoch noch oft mehr als schwierig ist, präsentiert sich eine Hundesportart, bei der tatsächlich alle Teams, unabhängig von Alter oder Beeinträchtigung des Hundes und des Hundeführers, mitmachen können. Besondere Bedürfnisse der jeweiligen Partner werden in der Parcoursplanung berücksichtigt, damit tatsächlich alle Teilnehmer gleichberechtigt die gestellten Parcours erarbeiten können.

Bislang gibt es fünf amtierende Wertungsrichter: Angelika Just, Angelika Schröder, Claudia Tinnappel, Monika Brzoska und Henricus Buren. Im laufenden Kalenderjahr erlebte Rally-Obedience einem Schneeballprinzip ähnlich eine rasante Entwicklung der Turnier- und Starterzahlen. Alle fünf Wertungsrichter waren lückenlos im Einsatz, sodass an jedem Wochenende Turniere besucht werden konnten. In vielen Bereichen Deutschlands griff der RO-Virus in diesem Frühjahr, als in vielen Vereinen das jeweils erste Turnier ausgerichtet wurde. Zunehmend wurden im laufenden Kalenderjahr bei den Turnieren mehrere Leistungsklassen angeboten. Das erste VDP-Turnier fand im September statt.

Aus dieser rasanten Entwicklung heraus entstand für den VDH die Notwendigkeit, neue Richter zu schulen. Sport- und Zuchtverbände wurden angeschrieben und aufgefordert, Bewerbungen von Richteranwärtern einzureichen. Insgesamt kamen gut 20 Bewerberinnen und Bewerber dieser Aufforderung nach. Anfang Oktober wurden die entsprechenden Vorbereitungsunterlagen an die Richteranwärter versandt und die Richterschulung in Hemer für das Wochenende 22. – 24.11.2013 angesetzt. Zum Austausch bei Fragen oder zum Weiterreichen von Informationen wurde ein Richteranwärterforum eingerichtet, das unmittelbar nach Freischaltung rege genutzt wurde. Jeder Richteranwärter verfügte über den Erfahrungshorizont mehrerer Turniere und damit natürlich auch über eine Vorstellung, was gegebenenfalls alles nicht funktionieren kann oder welche hochkreativen und vielleicht zuvor noch nie gezeigten Fehler sich in einer Prüfung einschleichen können. Diese Fehler aber mit dem geschulten Auge eines Wertungsrichters zu sehen und in kürzester Zeit zu beschreiben und zu bewerten, war allen Wertungsrichteranwärtern noch fremd. So entspannen sich bereits im Forum intensive Diskussionen über mögliche Fehler, Inhalt des Richterleitfadens und nicht zuletzt die neuen Prüfungsordnung, die ab Januar 2014 greifen wird.

Allen Richteranwärtern wurden verschiedene Parcoursplanungen als Vorbereitung für das Schulungswochenende gestellt. Neben einem vollständigen Turnier-Parcours aller Leistungsklassen sollten noch ein RO2- und ein RO3-Parcours erarbeitet werden. Der RO2-Parcours wurde ausgewählt, beim Schulungswochenende Gegenstand der praktischen Prüfung zu sein.

Die Seminar-Teilnehmer erhalten einen hoch informativen und strukturierten Unterricht
Die Seminar-Teilnehmer erhalten einen hoch informativen und strukturierten Unterricht

Keiner von den der Prüfung entgegenfiebernden Wertungsrichteranwärtern konnte sich eine genaue Vorstellung von der anstehenden Richterschulung machen. So wurde gebüffelt, Parcours entworfen und wieder verworfen und Lernunterlagen in fast jeder Lebenslage mitgeführt. Familienmitglieder wurden zu „Abfragern“, Vereinsmitglieder zu Übungsturnierläufern und der Prüfungsparcoursaufbau wurde immer wieder auf dem heimischen Hundeplatzgelände geübt.

Das Richterschulungswochenende rückte näher und die Aufregung unter den Prüflingen wuchs immer mehr. Die amtierenden Richter standen mit Rat und Tat zur Seite und verströmten Zuversicht und Ruhe in den Reihen der beständig aufgeregter werdenden Anwärter. Schließlich machten sich die Richterschulungsteilnehmer aus allen Regionen Deutschlands (von Schleswig-Holstein über Berlin und NRW bis nach Bayern) auf den Weg nach Hemer. Viele Teilnehmer lernten sich erst vor Ort kennen – und einige Anwärter/innen die amtierenden und seminargestaltenden Richter ebenso. Neben den Sportverbänden DHV und DVG, die einen Großteil der Anwärter entsandte, wurden vom VDP zwei Anwärter/innen und vom KfT eine Anwärterin entsandt. Nachdem die Zimmer bezogen und die mitgebrachten Hunde versorgt waren, fand die Begrüßung im Seminarraum statt. Auch hier strahlten Angelika Just, Angelika Schröder und Henk Buren die größtmögliche Ruhe aus und machte den Teilnehmern deutlich, wie sehr sie sich auf das gemeinsame Wochenende freuten und dass sie von einer guten Vorbereitung der Prüflinge überzeugt seien.

Beiden Teampartnern ist die Freude am Parcourslauf anzusehen
Beiden Teampartnern ist die Freude am Parcourslauf anzusehen

Für einige Teilnehmer ging es zur praktischen Prüfung in die Halle, andere Teilnehmer erhielten einen hochkompakten und informativen Theorieinput im Seminarraum. Die ganze Zeit über war die schöne Stimmung dieser Veranstaltung spürbar: Es ist schon ein besonderes Gefühl, eine Sportart wohl nach ihrer Geburtsstunde, aber noch immer in einer Pionierzeit mitzuerleben. Zunächst bei den vielen Turnieren, die für die ausrichtenden Gruppen in diesem Jahr zumeist das jeweils erste eigene Turnier war und nun bei der ersten Generation der Richteranwärter dabei zu sein.

Die Theorieprüfung in der Halle in Hemer forderte den Teilnehmern einiges ab. Es galt, den vorbereiteten RO2-Parcours schnell und korrekt aufzubauen und keine wichtigen Dinge zu vergessen – z.B. die Futterverleitungen…. – das Briefing mit allen notwendigen Informationen zu versehen und vor lauter eigener Aufregung das eigentliche Element des Rally Obendience, das „Spaß-am-Sport-haben“, nicht aus den Augen zu verlieren, die Prüfungsläufe in der

Nach dem Lauf erfolgt eine Besprechung der Fehler – so kann das Team für die Zukunft lernen
Nach dem Lauf erfolgt eine Besprechung der Fehler – so kann das Team für die Zukunft lernen

Kürze der Zeit eines Durchgangs zu beobachten und zu bewerten, ohne den Ringsteward zu verlieren oder ihm wichtige Informationen vorzuenthalten und schließlich und endlich die Prüfung zügig und angemessen zu besprechen. In der Halle war ein großes Teamgefühl spürbar. Parcoursauf- und –abbauten wurden in kürzester Zeit gemeinsam vorgenommen, anwesende Hunde wurden immer wieder motiviert, die gestellten Parcours zu laufen und die begleitenden Richter hatten ein faires und geschultes Auge auf uns alle.

Ein Parcours der Klasse RO3 entsteht während der Prüfung mithilfe kleiner Übungsschilder
Ein Parcours der Klasse RO3 entsteht während der Prüfung mithilfe kleiner Übungsschilder

Am Abend saßen wir noch lang beieinander. Wichtige Informationen wurden ausgetauscht, denn nicht alle Teilnehmer kannten sich untereinander gut. Die Stimmung war gelöst und fröhlich. Schließlich fielen aber alle müde ins Bett.

Am Samstag kam dann auf alle eine Überraschungsprüfung zu. Ein Parcours der Klasse 3 sollte per Hand aufgezeichnet werden. Als Hilfsmaterial wurden ein maßstabsgerechtes Karofeld verteilt, dazu Bleistift, Radiergummi (beständig im Einsatz) und von Angelika Schröder so genannte „Dingsbümschen“ ausgegeben. Die liebevoll vorbereiteten und laminierten Minischilder waren je Schild in der vorgeschriebenen Menge vorbereitet und nach Klassen sortiert in kleinen Dosen für jeden Teilnehmer zur Verfügung gestellt worden. Auf die Ansage: „So! Tischdecke und Deko vom Tisch, es ist nur die Prüfungsordnung und der Richterleitfaden erlaubt, jeder arbeitet an einem eigenen Tisch!“, legten wir los. Mithilfe der „Dingsbümschen“ entstanden viele 3er-Parcours, die anschließend auf das Karopapier übertragen wurden.

Vor der schriftlichen Abschlussprüfung am Sonntag hörten wir noch einen Vortrag zu Mehrschildübungen, die lebhaft diskutiert wurden. Wurde eine Frage oder eine Problematik zur Diskussion gestellt, ermunterten die amtierenden Richter sofort zur Demonstration, damit sich alle genau vorstellen konnten, wie die Problematik nun genau gestellt war. So wurden kurzerhand Teller vom Kuchenbüffet als Slalompylonen zweckentfremdet, Henks Schirmmütze wurde zum vorsitzenden Hund und erlaubte, notwendige oder überzählige Zwischenschritte bei MSÜs wurden durch tanzähnliche Wiegeschritte, bzw. richtungweisende Körperbewegungen dargestellt. Anschließend gab es einen hoch informativen, kompakten Vortrag über das Verbandswesen des VDH durch Herrn Holzschneider, der uns das gesamte Wochenende während der Schulung begleitete. So konnten schließlich alle gut gerüstet in die Prüfung gehen.

Während der Auswertung der Prüfungsergebnisse wurde vor der Tür gescherzt und gelacht, doch die Anspannung der einzelnen Prüfungsteilnehmer war deutlich spürbar. Als dann die Ergebnisse im Einzelgespräch durchgegangen und für jeden Teilnehmer das weitere Prozedere abgesprochen waren, ging es für die meisten auf die teilweise sehr weite Heimreise. Ein ereignisreiches und informatives Wochenende liegt nun hinter uns. Nun freuen wir uns auf die Anwartschaften: Turniere, bei denen wir durch einen amtierenden Richter begleitet werden, der im Vorfeld noch einmal unsere Parcoursplanung mit uns durchgeht und uns mit Rat und Tat am Turniertag zur Verfügung steht. Die ersten Termine sind bereits vereinbart und aus verlässlicher Quelle – das Anwärterforum stand auch in den Tagen nach der Schulung nicht still – ist bekannt, dass die ersten Parcoursplanungen bereits Formen annehmen.

Die Teilnehmer und Leiter der ersten Wertungsrichterschulung Rally Obedience
Die Teilnehmer und Leiter der ersten Wertungsrichterschulung Rally Obedience

An dieser Stelle geht unser Dank an die uns begleitenden Richter, die dieses Wochenende für uns so ansprechend, sachkundig und in einer ganz besonderen Atmosphäre gestaltet haben. Herzlichen Dank an die beiden Angelikas und an Henk – es ist euch gelungen, dieses Wochenende für uns als ein unvergessliches Erlebnis zu gestalten! Wir freuen uns schon darauf, unsere Ausbildung abzuschließen und dann zu helfen, Rally Obedience weiter zu verbreiten.

Daniela Juhász, VDP

Gruppe Schleswig-Flensburg