Erste Begegnung mit der neuen Sportart Rally Obedience

Meine beiden Pudelmädchen sind – obgleich sie begeisterte Sofakuschler und Familienhunde sind – von klein auf Hundeplatzbesucher. Bereits als der erste Pudel zu uns zog, war klar, dass der Hund neben dem Dasein als bester Kamerad, Seelentröster für die Kinder, Initialzündung für Freiluftaufenthalte und Gute-Laune-Verbreiter auch eine Ausbildung genießen und Prüfungen besuchen würde. Pudel arbeiten gern und genießen die ungeteilte Aufmerksamkeit, die ihnen beim Training entgegen gebracht wird, sehr. Sie passen sich den Fähigkeiten und Fertigkeiten ihres Hundeführers an und können – eine liebevoll-konsequente Erziehung vorausgesetzt – bemerkenswerte Ziele erreichen.
Damals – noch Neuling im VDP – freute ich mich sehr, mit den Leistungsprüfungen und dem Agility reichlich sportliche Anforderungen vorzufinden, arbeitete mit meinen Hunden sehr gern im Hundesport und besuchte häufig die entsprechenden Prüfungen. Es ist schön, einen Hund zu haben, auf den man sich verlassen kann und der mit seinem Teampartner Mensch gemeinsam durchs Leben geht. Insbesondere das Miteinander zwischen Hund und Mensch spricht mich am Hundesport im VDP besonders an, da sie hier nicht nur gefördert, sondern auch von den Sportlern eingefordert wird.

Vor wenigen Wochen hörte ich dann plötzlich von einer neuen Hundesportart, dem Rally Obedience. Mithilfe von Internetrecherche (von kurzen Filmsequenzen verschiedener Turniere über Prüfungsordnung bis hin zu Terminen war hier schon eine Menge zu finden) machte ich mich schon einmal oberflächlich kundig, was diese Sportart so ausmacht. Bereits das Vorwort des VDH Regelwerkes klingt ansprechend und sogar im Hinblick auf den inklusiven Gedanken mehr als attraktiv. So heißt es dort:

Das Schöne an diesem Sport ist, Hund und Mensch dürfen während ihrer Arbeit ständig miteinander kommunizieren. Der Hund darf jederzeit angesprochen, motiviert und gelobt werden.

Quelle: Regelwerk Rally Obedience. Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. Gültig ab 01.10.2012. Vorwort

Und weiter:

Die Förderung einer positiven Beziehung zwischen Hunden und Hundeführern, basierend auf Vertrauen und gegenseitigem Respekt, steht (…) im Vordergrund. Aus diesem Grund erlaubt das Regelwerk (…) nur positive Verstärkung und Belohnung und verbietet den Einsatz von körperlichen oder harschen verbalen Korrekturen. Beabsichtigt ist, dass möglichst viele Hunde und Hundeführer mitmachen können, die dabei Freude an der gemeinsamen Arbeit haben und eine gute Zusammenarbeit im Ring erleben können. (…) Hund und Mensch dürfen dabei beliebig miteinander kommunizieren. Vielfältige Sicht- bzw. Hörzeichen sind erlaubt unter der Voraussetzung, dass sie als Ermutigung und nicht als Korrektur dienen. Wenn der Fluss der Übungen nicht gestört wird, darf der Hund in der Klasse Senioren, Beginner und Klasse 1 gestreichelt und mit Leckerlies belohnt werden, genauso wie er in allen Klassen zu jeder Zeit ein mündliches Lob erhalten darf.

Quelle: Regelwerk Rally Obedience. Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. Gültig ab 01.10.2012. Seite 3

Und kostbar für unsere Gesellschaft und hier die so wichtige Inklusion begünstigend, wird ausgeführt:

Rally Obedience ist eine Hundesportart für die ganze Familie. (…) Auch in der Mobilität eingeschränkte Hundeführer sind aufgefordert, teilzunehmen. Die Benutzung von motorisierten Fahrzeugen und/oder Rollstühlen ist erlaubt. Die Art der Behinderung und welche der Übungen nach ihren Bedürfnissen modifiziert werden sollten, müssen im Anmeldeformular angegeben werden.

Quelle: Regelwerk Rally Obedience. Verband für das Deutsche Hundewesen e.V. Gültig ab 01.10.2012. Seite 4

Eine Sportart also, die explizit Menschen mit Beeinträchtigungen, Kindern, älteren Hunden, aber auch Hunden mit Beeinträchtigungen ein Betätigungsfeld liefert, das ein vertrautes Miteinander einfordert und fundiert im Regelwerk festlegt, dass unterschiedliche Teams verschiedene Bedingungen benötigen – und im Turnier auch vorfinden. Besonders attraktiv war für mich dabei, dass die Bedingungen im Training, bei dem Lob, Motivation, Ansprache und Belohnung so normal und für den Hund so wichtig sind, auch in Prüfungssituationen gegeben sind. Gerade aufgeregte Hundeführer und die so anderen Bedingungen als im Training, erschweren für viele Hunde eine erfolgreiche Prüfungsteilnahme in anderen Sportarten sehr.

Übungswarte der Nordsportgruppen erarbeiten die unterschiedlichen Schilder
Übungswarte der Nordsportgruppen erarbeiten die unterschiedlichen Schilder

 

Die weitere Lektüre des Regelwerks machte schnell deutlich, dass die geforderten Aufgaben im Schwierigkeitsgrad niederschwellig beginnen, aber in den höheren Klassen tatsächlich nicht ganz einfach umzusetzende Übungen einfordern. Der Reiz der Aufgabenstellung für das Team liegt dabei auf verschiedenen Ebenen. Zum einen wird den Teams ein Parcours gestellt, der – ähnlich im Agility – aus einem festgelegten Repertoire unterschiedlicher Aufgaben zusammengestellt wird und damit bei jedem Training – und auch bei jeder Prüfung – immer wieder neue Kombinationsmöglichkeiten bietet. Die Abstände zwischen den einzelnen Aufgaben sind recht kurz und liegen im Bereich nur weniger Meter, sodass die Hunde aufmerksam bleiben und nicht aufgrund vielfältiger Wiederholungen lustlos werden. Die Aufgaben selbst bewegen sich im Bereich der Übungen in der Unterordnung. Es wird sowohl Leinenführigkeit, Freifolge, Sitz- und Platzübungen, Winkel, Wendungen und das Arbeiten an der Hürde verlangt. Viele Aufgabenstellungen sind den Hundesportlern des VDPs bereits aus den Leistungsprüfungen sehr vertraut. Andere Übungen werden aus Einzelelementen so kombiniert, dass eine für uns neue Übung entsteht und wieder andere Übungen erzeugten bei mir bei der Erstlektüre ein interessiertes Hochziehen der Augenbrauen. Ein ähnlicher Effekt stellte sich später bei meinen Pudelmädels ein, jedoch sind dort die Augenbrauen nicht ganz so gut im schwarzen Fell auszumachen…..

Einige der auf Bildern dargestellten und im Wort beschriebenen Übungen waren beim bloßen Durchlesen nicht immer ganz schlüssig, daher freute ich mich sehr auf das erste Seminar, dass für angehende Übungsleiter im Bereich Rally Obedience an zwei Wochenenden im Juni in Eggebek durch Rosemarie Schulz und Frank Nielsen angeboten wurde. Beide hatten zuvor beim VDH ein Übungsleiterseminar besucht und reichten nun – frisch infiziert durch die Arbeit im Kreise Gleichgesinnter – das RO-Virus an interessierte Übungswarte weiter.

Hoch aufmerksam arbeitendes Team
Hoch aufmerksam arbeitendes Team

 

Auch wenn das Wetter nicht immer mitspielte und das Pensum der zu erlernenden Schilder und des Regelwerkes riesig war, machte allen Teilnehmern die Arbeit im RO-Parcours eine Riesenfreude. Sogar meine ältere Pudeldame konnte alle Aufgaben der RO B (die Beginner-Klasse) und der RO 1 (Klasse 1 im Rally Obedience) gut bewältigen und arbeitete bei der motivierenden Ansprache und bei großem Lob sehr begeistert mit. Meine junge Hündin eignete sich schnell für uns noch fremde Aufgabenstellungen an und wir alle drei genossen die Unterschiedlichkeit der dargebotenen Übungen sehr.

Die Zeit verflog im Nu und sogar die Abschlussprüfung (HUCH!!!!! Damit hatten wir alle wohl eher nicht gerechnet) gelang uns allen auf Anhieb gut. Sechs neue Übungsleiter hat der VDP nun schon nach Rosemarie Schulz und Frank Nielsen. Weitere Seminare in Nord und Süd sind geplant, um auch unsere anderen Gruppen mit dem RO-Virus zu infizieren. Wir sind uns schon jetzt ganz sicher, dass auch die anderen Sportler sehr viel Freude beim Rally Obedience haben werden.

Die Ausführung der einzelnen Übungen bedürfen der Genauigkeit
Die Ausführung der einzelnen Übungen bedürfen der Genauigkeit

Jetzt heißt es, die Augen aufzuhalten und nach Turnierterminen Ausschau zu halten. Die Zeit bis dahin nutzen wir, um die noch nicht ganz so gut flutschenden Übungen (z.B. alle Linkswendungen auf engstem Raum und das „Rumholen“ des Hundes auf der linken Seite, zu festigen. Dann spucken wir in die Hände, bzw. Pfoten und stellen uns dem ersten Turnier. Leistungskarten hierfür druckt man sich aus dem Internet aus – und kann sie mit einem eigenen Foto des Hundes versehen. Das macht sie zum einen persönlicher, zum anderen hechelt dann bestimmt bald auf dem einen oder anderen Leistungskarten-Portrait ein begeisterter Pudel oder Hund, dem die Freude an dieser Sportart förmlich ins Gesicht geschrieben scheint.

Daniela Juhász

Gruppe Schleswig-Flensburg